Technische Angaben
Datum
27. August 1981
Wetter
sehr schön
Karte
1:25’000 Blätter 1207 Thun, 1206 Guggisberg
Route
Blumenstein – Gürbegraben – Weiermoos – Riselbruch – Schwändli – Länggrätli – P. 1580 – Untere Gantrischhütte – Schwefelbergbad
Höhen ü.M.
Blumenstein 659 m, P. 1580 m, Schwefelbergbad
1389 m
Zeiten
Blumenstein – P. 1580 3 ¾ Std., P. 1580 – Schwefelbergbad ¾ Std.
Unterkunft
Thun
Verpflegung
Rucksack
Besonderes
Diese Etappe haben wir aus fahrplantechnischen
Gründen vorgezogen. Thun – Blumenstein
mit Postauto, Schwefelbergbad –
Thun mit Postauto bis Bern und Zug nach Thun
Etappenbericht Looser
30. Juli 2023
Etappe 12
Von Blumenstein nach Schwefelbergbad
Reminiszenzen an Cornelias wunderbare Wasserheilung
Die Schönwetterperiode dauerte an, als wir am Morgen mit dem gleichen Verkehrsmittel nach Blumenstein hinausfuhren. Diesmal dauerte die Fahrt etwas länger, weil Panzerkolonnen mit noch etwas ungeübten Rekrutenbesatzungen einige Verkehrsstockungen verursachten. In Blumenstein (den Besuch des mittelalterlichen Kirchleins am Fallbach verschoben wir auf eine motorisierte Nachtour) begann nun der mehr oder weniger deutlich alpine Teil unserer Wanderung. Wir drangen direkt in den ausgeprägten Graben ein, den die Gürbe aus dem weichen, rutschigen Gestein herausgefressen hat. Wohl über 100 massive Betonschwellen, manche mehrere Meter hoch, bilden eine durchgehende Verbauung bis auf etwa 1300 Meter hinauf, die offenbar mit einigem Erfolg die fortschreitende Erosion abgebremst hat. Der gut markierte Wanderweg führt schon bald auf die linke Talseite und folgt dann praktisch dem Bachlauf, bis man bei der Alp Schwandli aus dem bewaldeten Tobel hinaustritt. Weil wir im tiefeingeschnittenen Graben aufwärts stiegen, war die Aussicht sehr begrenzt. Dafür fanden Verenas geübte Augen endlich im Überfluss Erdbeeren und Himbeeren, wovon wir auf den bisherigen Etappen zwar auch, aber immer nur einige Exemplare angetroffen hatten. Da wir ausserdem über genügend Zeit verfügten, erwies sich der doch beträchtliche Aufstieg zur Gurnigel-Wasserscheide als ganz angenehmer Erntespaziergang. Hier ist auch wieder anzumerken, dass uns eigentlich seit dem Beginn am Bodensee immer noch annähernd die gleiche Pflanzenwelt begleitete. Als typisch wäre das häufige Vorkommen immer noch der Spierstaude, des Rührmichnichtan und der Himbeere zu bezeichnen. Nach dem Auftauchen aus dem Gürbegraben genossen wir endlich das bequeme Wandern auf der blumenreichen Alpweide bis zum tiefsten Punkt der Wasserscheide zwischen Gürbetal und Sensetal, wo wir uns zum Picknick niederliessen und die unbegrenzte Aussicht auf den blauen Thunersee und die grünen Hügel des Emmentals genossen, von wo wir hergekommen waren. Es war vorläufig auch der letzte Aussichtspunkt, von dem wir ein grösseres Stück des bisherigen Weges überblicken konnten. Unsere Befriedigung über das schon Geleistete war denn auch nicht gering. Jetzt herrschte hier oben eine herrliche Ruhe, nur unterbrochen vom Bimmeln der Kuhglocken auf den benachbarten Alpen; aber der grosse Parkplatz, an dessen äussern Rand wir sassen, deutete darauf hin, dass hier an Feiertagen und vor allem im Winter, wenn die zahlreichen Skilifte in Betrieb sind, ein ganz anderes Leben zu erwarten ist. Hatten wir vom Aaretal bis hinauf zur Wasserscheide eine Höhendifferenz von mehr als 1000 Metern überwunden, so war der nun noch folgende kurze Abstieg zum Schwefelbergbad 598.309 E / 173.785 N ein kleiner Katzensprung, auf Weidepfaden abseits der Autostrasse, vorbei an der Unteren Gantrischhütte, einer gelungenen Kombination von Alpstall (im Untergeschoss) und Skirestaurant (ebenerdig). Weil wir inzwischen so gut trainiert waren, vertrieben wir uns beim Schwefelbergbad die Zeit bis zur Abfahrt des Postautos mit einem zusätzlichen Bergspaziergang, um uns auch über den Beginn der folgenden Etappe zum Schwarzsee etwas ins Bild zu setzen. Der Schwefelgeruch im Badgebäude weckte im übrigen fröhliche Erinnerungen an unsere Familienferien in Ennetbühl bzw. an die Spaziergänge zu den Tanzabenden im Rietbad, wo der Geruch exakt der gleiche gewesen war. Dabei erinnerten wir uns auch an die wunderbare Wasserheilung eines hartnäckigen Hautausschlags bei der damals etwa 4jährigen Cornelia.
Die Rückreise mit Postauto und Bahn in Gesellschaft anderer AHV-Halbtaxabonnenten musste auf dem etwas aufwendigen, aber landschaftlich sehr lohnenden Umweg über Gurnigel, Riggisberg, Belp und Bern nach Thun abgefahren werden.
Wenn wir vom Schwefelberg aus einen ersten Blick auf die folgende Etappe geworfen hatten und uns vorstellten, da noch eine schöne Herbstwanderung bis zu den Rebbergen am Genfersee geniessen zu können, so machten uns Wetterund Schneeverhältnisse in der Folge einen gründlichen Strich durch die Rechnung. Tatsächlich dauerte es fast ein Jahr, bis wir den Faden beim Schwefelbergbad wiederaufnehmen konnten. Inzwischen hatten wir schon grössere Teile der Nord-Süd-Wanderung absolviert, über die ich nachfolgend berichten werde.