Degersheim-Lichtensteig

Technische Angaben

Datum
25. Juni 1981

Wetter
schön, am Nachmittag schwül und leichtes Gewitter

Karte
1:25’000 Wanderkarte Blatt 2513 mittleres Toggenburg/Gasterland

Route
Degersheim Bhf. – Ober Gampen – Bergli – Kubelboden – Wilkethöchi – Brunnadern – Wasserfluh –Lichtensteig

Höhen ü.M.
Degersheim 798 m, Bergli 999 m, Kubelboden 862 m, Wilket 1172 m, Brunnadern 655 m, Wasserfluh 845 m, Lichtensteig 616 m

Zeiten
Degersheim – Bergli 13⁄4 Std., Bergli – Wilket 11⁄4 Std., Wilket – Brunnadern 11⁄4 Std., Brunnadern – Lichtensteig 11⁄2 Std.

Unterkunft

Verpflegung
Mittagessen im Bergli: Suppe, Speck, Salsiz, Trinkhalt im ‹Löwen›, Brunnadern, sehr gutes Nachtessen im ‹Rathaus›, Lichtensteig

Besonderes
Familie Näf im Bergli erinnert sich noch gut an die Besuche von Vater Stucki

Etappenbericht Looser
24. April 2021

Etappe 3

Von Degersheim nach Lichtensteig

Vater Stuckis unvergessenes Hochzeitsgeschenk

Erst nach zwei Monaten (inzwischen hatten wir den Besuch von Bud und Nancy Smith aus Rochester gut überstanden) war es uns möglich, die Fussreise mit der ersten grösseren Etappe fortzusetzen. Inzwischen war es richtig Sommer geworden. Wiederum mit der BT fuhren wir nach Degersheim, dem Schlusspunkt der letzten Tageswanderung. Vom Bahnhof aus wandten wir uns südwärts, freuten uns unterwegs an den fröhlichen Zurufen italienischer Bauarbeiter und wanderten bei schönstem, aber schon recht heissem Wetter auf zum Teil angenehm schattigen Wiesen- und Waldwegen über die Höhe von Fuchsacker-Ober Gampen zur Bauernwirtschaft ‹Bergli›, die einmal ein bevorzugtes Ausflugsziel Vater Stuckis gewesen war. Dort hielten wir Einkehr zu einem frugalen Bauernzmittag. Im bald angesponnenen Gespräch erinnerte sich die schon etwas eingeschrumpfelte Wirtin, dass ihr Vater Stucki zur Hochzeit ein schön gesticktes Taschentuch geschenkt hatte, das sie immer noch in hohen Ehren hielt. Es wird sich lohnen, einmal mit der 4.Generation dort vorbeizuwandern. Vom Bergli geht es einen steilen, bewaldeten Hang stotzig hinunter zum Kubelboden, dem Übergang von Dicken nach Hoffeld. Die Gegend ist mir noch bestens bekannt von mehreren Monaten Aktivdienst in Mogelsberg, als junger Leutnant in den Jahren 1939/40. Drei Jahrzehnte später gab unser Jüngster in Dicken als Gymnasiast Primarschule als Aushilfslehrer. Nach Überquerung der Landstrasse im Talboden geht es gleich wieder ähnlich steil bergauf gegen die Wilkethöhi, die mit ihren 1172m ü.M. schon zu einem der ‹Höhepunkte› unserer Wanderung wird. In der schwülen Nachmittagshitze sind wir dankbar, dass der regelmässig ansteigende Weg bald vom schattenspendenden Wald aufgenommen wird, der aber am Grat oben trotzdem prächtige Ausblicke auf den Alpstein und die Toggenburger Vorberge freigibt. Nach kurzer Rast auf der Höhe geht es dann wieder abwärts durch Wald und über Weiden, bei denen leerstehende Bauernhäuser andeuten, dass das Land einmal intensiver bewirtschaftet wurde, hinunter über den Necker und mitten hinein ins Dorf Brunnadern 727.789 E / 244.030 N. Das heisse Wetter hat seine Wirkung getan, weshalb wir im ‹Löwen› einen kräftigen Schluck genehmigen, bevor wir den letzten Anstieg zur Wasserfluh in Angriff nehmen. A propos Schluck: Wir entwickelten uns auf unserer Wanderung zu guten Kennern und Liebhabern der zahlreichen Sorten vergorenen Apfelsafts. Die Überschreitung der Wasserfluh – wie viele Male sind wir schon darüber- und hindurchgefahren zur Grossmutter nach Feldmeilen und zu Peter nach Rüti – kann in einem lieblichen Seitental auf angenehmen Wanderwegen ohne jede Störung durch den Automobilverkehr gemacht werden. Nur auf der Passhöhe und dann wieder am Eingang von Lichtensteig 724.646 E / 242.863 N muss die Strasse ein kurzes Stück benutzt werden. Auf der Passhöhe sind die Bauern eifrig daran, das Heu vor dem drohenden Gewitter ins Trockene zu bringen. Beim Abstieg nach Lichtensteig fängt es dann wirklich an zu blitzen und zu donnern, und wir müssen ein erstes (nicht das letzte) Mal unsere Regenpelerinen aus dem Rucksack hervorholen. Es ist aber nur ein recht sanfter Gewitterregen, der uns bis ins Städtlein hinunter begleitet, wo wir in der stilvollen Rathauswirtsstube ein ausgezeichnetes Nachtessen so richtig geniessen, weil ich trotz dem genius loci kaum mehr an Amtsgeschäfte erinnert werde. Auf dem Weg zum Bahnhof überqueren wir nach der Goldach, der Sitter und dem Necker nun mit der Thur schon den vierten wesentlichen Fluss. Dann bringt uns die st.gallische Staatsbahn, zu deren höchst ineffizientem Verwaltungsrat ich schliesslich auch einmal gehört hatte, in bequemer Fahrt zur Hauptstadt zurück.