Technische Angaben
Datum
5. August 1981
Wetter
sehr schön und sehr warm
Karte
1:50’000 Blatt 245 Stans, 1:25’000 Blätter 2510 Luzern und Umgebung, 1169 Schüpfheim
Route
Luzern – Kriens mit Trolleybus, Kriens – Schwändi – Leitboden – Grüebli – Dorschnei – Rosshütte – Chräigütsch – Eigental – Trochenmatt – Risetenegg – Risetenloch – Ober Ängelgraben – Finsterwald
Höhen ü.M.
Kriens 500 m, Chräigütsch 1081 m, Trochenmattegg 1461 m, Risetenegg 1408 m, Finsterwald 1058 m
Zeiten
Kriens – Unter Lauelen (Eigental) 4 Std., Unter Lauelen – Trochenmattegg 1 1⁄2 Std., Trochenmattegg – Risetenegg 3⁄4 Std., Risetenegg – Finsterwald 1 3⁄4 Std.
Unterkunft
Hotel Drei Könige in Entlebuch (ausgezeichnet)
Verpflegung
Morgenessen im Bhf.-Buffet Luzern, Zwischenverpflegung Alpwirtschaft Unter Lauelen, im übrigen aus dem Rucksack
Besonderes
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Etappenbericht Looser, Teil 1
5. September 2021
Etappenbericht Looser, Teil 2
4. September 2021
Etappe 8
Von Kriens nach Finsterwald
Heilkräuterbuch kombiniert mit Haute Cuisine
Mit dem Vorstoss ins Herz der Eidgenossenschaft – die Nadelreihe auf der Wandkarte ist jetzt wieder etwas ansehnlicher geworden – müssen wir für die nächsten Etappen andere organisatorische Vorkehren für Reise und Unterkunft treffen. Wir wählen jetzt ein Standquartier etwa in der Mitte von drei Etappen. Und weil das die Mitnahme von Gepäck verlangt, reisen wir mit dem Auto zum Unterkunftsort. Für das nächste Wegstück finden wir die geeignete Herberge im Hotel ‹Drei Könige› in Entlebuch. Hier stehen sehr komfortable Zimmer zu akzeptablen Preisen zur Verfügung. Der Reiz des Hauses liegt aber in seiner Küche, wo der Wirt so ziemlich alles verarbeitet, was in der Umgebung an wohlriechenden Kräutern und Blüten, an Beeren und Pilzen zu finden ist.Er hat uns verraten, dass er einfach weitgehend Pfarrer Künzlis Heilkräuterbuch sinngemäss auf die Kochkunst übertragen habe.Im Gegensatz zur Unterkunft sind die Preise auf der Speisekarte allerdings kaum mehr bescheiden zu nennen.Trotzdem lohnt sich die Einkehr im ‹Drei Könige›, wenn man zum Aperitif Champagner aus Holunderblüten liebt. Jedenfalls zieht es uns seither immer wieder zu einer Kostprobe in dieses gastliche Haus.
Wir fuhren also auf etwas ungewohnten Routen an einem Augustnachmittag nach Entlebuch 647.741 E / 204.773 N und bereiteten uns dort auf die kommenden Marschleistungen durch ein exquisites Nachtessen vor. Auch hier ist es andrerseits nicht mehr möglich, zu etwas früher Stunde ein Morgenessen zu bekommen. (Eine Ausweichmöglichkeit besteht immerhin in der benachbarten Bäckerei, wo die Gipfeli dann wirklich frisch aus dem Ofen auf den Frühstückstisch kommen.) Am andern Morgen reisten wir deshalb mit dem Zug talabwärts nach Luzern, um im Bahnhofbuffet zu frühstücken. Dann verzichteten wir auf den doch etwas langweiligen Marsch durch die Industriequartiere nach Kriens und trugen etwas zur Verminderung des Defizits der städtischen Verkehrsbetriebe Luzern bei, indem wir diese Strecke, die ich übrigens in der Rekrutenzeit längst mehrfach ‹vorgeholt› hatte, mit dem Trolleybus zurücklegten.
Von der Endstation aus ging es dann aber gleich kräftig bergauf, zuerst über Wiesen, angesichts des Schlosses Schauensee, das mir dutzende Male als Seitenrichtpunkt für Minenwerferübungen gedient hatte, hierauf durch einen feuchten, grabendurchzogenen Bergwald, bis wir – etwas zu weit östlich – auf die schöne Aussichtsterrasse von Schwändi gelangten, wo dann der Anschluss an die Waldstrassen Richtung Eigental wiedergefunden werden konnte. Übrigens hatten wir hier die erste Etappe in Angriff genommen, bei der es richtig bergmässig aufwärts ging, und es gebührt Dir, liebe Verena, gleich am Anfang ein Kompliment für die Kraft und die Ausdauer, mit der Du die Bergetappen bezwungen hast. Dabei ging es manchmal doch recht stotzig hinauf und hinunter, und der Weg führte nicht selten durch tiefen Sumpf. Die Freude am unbeschwerten Wandern und an der meist grossartigen Aussicht – oder die vielen Gelegenheiten zum Beerenpflücken – überwog aber bei weitem die Anstrengung. Auch im Eigental 658.862 E / 206.820 N, besonders in der Nähe der Militärunterkünfte, stellten sich bei mir wieder Rekrutenschulerinnerungen ein, neubelebt natürlich durch die parallelen Erfahrungen unseres Jüngsten, der in dieser Gegend ebenfalls über Detailkenntnisse verfügt, die bei ihm allerdings alle Blickwinkel vom Rekruten bis zum Kp Kdt einschliessen. Das Fahrsträsschen führt eine Zeitlang dem Rümlig entlang, der das Tal nach Norden entwässert. Ein Stück weit bildet der Bach die Grenze zum Kanton Nidwalden, der von Hergiswil her über den Pilatus hinunterlappt. Weil bei der Alp Unter Lauelen eine Schweizerfahne ein gastliches Haus versprach, machten wir einen kurzen Abstecher über den Bach in einen weiteren Kanton, um dort mitten am Tag, als nicht unbedingt angemessene Zwischenverpflegung, Meringues mit viel Schlagrahm zu vertilgen. Der eher gemütliche Aufstieg bis zur Trochenmattegg erinnert samt den militärischen Übungsplätzen sehr stark an die Wanderrouten der Nordwand des Alpsteins entlang, etwa vom Weissbad über die Kammhalde und die Schwägalp bis zum Risipass. Der Säntis ist einfach durch den Pilatus und seine Nebengipfel zu ersetzen, aber hier wie dort: rechts (nördlich) des Weges Nagelfluh, links Kalk. Wegen der Ferienzeit beobachten wir immer häufiger Pfadfinderund andere Schülerlager in hochgelegenen Alphütten, weil durch den Ausbau der Alpsträsschen für den Motorfahrzeugverkehr der Gepäcktransport und der Verpflegungsnachschub auch in abgelegene Gebiete einfacher geworden ist.Von der Trochenmattegg aus ergibt sich noch einmal ein weitreichender Rückblick auf die letzten Etappen bis in den Kanton Zug hinein, und mit nicht geringer Befriedigung stellen wir fest, dass wir seit der Chrüzegg, wo wir Rigi und Pilatus zum ersten Mal noch weit voraus erblickten, doch schon ein stattliches Wegstück aus eigenen Kräften hinter uns gebracht haben. Die Berichte von grossen Fussreisen durch Europa, in der Zeit vor dem Eisenbahnbau, scheinen uns nun gar nicht mehr so unwahrscheinlich.
Von der Trochenmattegg geht es zunächst durch eine kleine Mulde hinüber zur Risetenegg (sogar die Namen sind ähnlich wie in der Ostschweiz), jetzt wieder mit Aussicht auf das nächste Wegstück. Dann steigen wir durch ein unübersichtliches, von Tobeln wie im Appenzellerland zerrissenes und durchfurchtes Waldgelände, allerdings auf gut ausgebauten, glücklicherweise nicht asphaltierten Forststrassen steil hinunter bis zu den Obern Angelgräben (es bleibe dahingestellt, ob dieser Flurname von den Engeln oder eher von der Enge herkommt), wo der Blick frei wird auf das Tal der Grossen Entlen. Durch frisch geemdete Wiesen ist man dann bald unten im kleinen Dorf Finsterwald. Die Zeit bis zur Abfahrt des Postautos nach Entlebuch gibt Gelegenheit zu drei Dingen: 1. und am wichtigsten: den angestauten Durst zu stillen; 2. und am sachlichsten: zu überlegen, wie es hier einmal aussehen wird, wenn das Erdgas tatsächlich ausgebeutet wird; 3. und am pikantesten: Betrachtungen über das Verhältnis des Dorfpfarrers zu seiner halbschlauen, aber noch jungen Köchin anzustellen. Dann bringt uns das Postauto in kurzer Fahrt hinunter nach Entlebuch zu unserer Wunderküche.