Schwefelbergbad-Schwarzsee

Technische Angaben

Datum
7. August 1982

Wetter
zuerst 1 Stunde Regen, dann wechselnd bewölkt mit schönen Aufhellungen, warm

Karte
1:25’000 Blätter 1206 Guggisberg, 1226 Boltigen

Route
Schwefelbergbad – Rächt Hengst – Stäckhütte – Hohmattli – Wannelsen – Spittel Gantrisch – Schönenboden – Salzmatt – Hürlisboden – Schwarzsee

Höhen ü.M.
Schwefelbergbad 1389 m, Rächt Hengscht 1210 m, Hohmattli 1664 m (höchster Punkt der ganzen Wanderung), Spittel Gantrisch 1280 m, Salzmatt 1637 m, Schwarzsee 1046 m

Zeiten
Schwefelbergbad – Hengst 3⁄4 Std., Hengst – Hohmattli 1 1⁄2 Std., Hohmattli – Spittel Gantrisch 3⁄4 Std., Spittel Gantrisch – Salzmatt 1 1⁄2 Std., Salzmatt – Schwarzsee 1 1⁄2 Std

Unterkunft
Hôtel des Bains, Schwarzsee (gut, günstig)

Verpflegung
Rucksack (nur wenig)

Besonderes
mit Taxi von Schwarzsee nach Schwefelbergbad (nicht teuer)

Etappenbericht Looser
31. Juli 2023

Etappe 17

Von Schwefelbergbad nach Schwarzsee

Der Morgenregen hält sich genau an die Bauernregel…

Anfangs August 1982 brachten wir unsere französischen Enkelinnen, die fünf Wochen lang im Appenzellerland gealpt hatten, nach Aix-les-Bains, wo sie von Cornelia in Empfang genommen wurden und dann mit dem Zug nach Hause fuhren. Wir kehrten ins Welschland zurück und bezogen für die vier Etappen bis zum Genfersee Standquartier im Bad Schwarzsee und bei Schwägerin bzw. Schwester Greti in Blonay. Obwohl der Sommer 1982 ausgesprochen sonnig und warm war, hatten wir nicht mehr ganz das gleiche Wetterglück wie im Vorjahr; aber zum Wandern war das wechselhafte Wetter gar nicht so unangenehm.

Mit einem recht zünftigen Morgengewitter, das uns auf der Taxifahrt vom Schwarzsee zum Schwefelbergbad begleitete, fing es vielversprechend an. Zum ersten Mal seit den leichten Gewitterregen kurz vor Lichtensteig mussten wir unsere unschönen, aber bewährten Regenpelerinen hervorholen, bevor wir ein ganzes Stück – unserer übrigens preiswerten Taxifahrt – auf der Strasse gegen Westen zurückmarschierten, eben weil wir uns keinen Meter schenken wollten. Mehr als der verregnete Strassenmarsch ärgerte uns der Höhenverlust, bis es kurz nach der Brücke über die Hengstensense auf Alpwegen wieder bergwärts und gleich sehr kräftig aufwärts ging. Müetti a fait pipi dans la forêt, weil der Weg vorher abwärts geführt hatte. Zu unserer Erleichterung hörte der Morgenregen, wie es eine alte Bauernregel sagt, um 9 Uhr auf, so dass wir beim Aufstieg zum Stackhüttenberg die grauen Pelerinen wieder einpacken konnten.

… und bei den obersten Alphütten geht der (Mercedes-)Stern auf

Weniger begeistert waren wir von der Feststellung, dass unsere lieben nördlichen Nachbarn auch hier mit ihren Mercedes bis zu den obersten Alphütten vordringen. (Ehrlicherweise müssen wir zugeben, dass wir weit oben am Moléson auch einen Renault mit der Pariser Kennziffer 75 angetroffen haben.) Am Hohmattli erreichten wir auf 1664 Metern den höchsten Punkt unserer Fussreise, ein Höhepunkt, der noch dadurch unterstrichen wurde, dass wir bei der stattlichen Alphütte ein besonders eindrückliches Beispiel eines selbstbewussten, souveränen Berner Bauern antrafen, mit dem über das Leben der Bergbauern zu plaudern wahres Vergnügen und wirkliche Bereicherung war. Nach 200 Metern überschritten wir die Freiburger Grenze und drangen damit in den 91⁄2. Kanton unserer Schweizerwanderung ein. Vorläufig blieben wir allerdings noch im deutschen Sprachgebiet, wenn auch einzelne Flurnamen für uns schon recht ungewohnt tönten und natürlich die Ortsbezeichnungen mit Heiligennamen deutlich zunahmen. Sonst aber bewegten wir uns nun in einem Gebiet, das uns wieder stark an den Alpstein und das obere Toggenburg erinnerte, was zum Beispiel bedeutete, dass wir vom Hohmattli zuerst einmal 300 Meter hinunter in den Spittelgantrisch und dann wieder 300 Meter hinauf zur Salzmatt steigen mussten. Besonders hier am Fuss der Kaiseregg, wo die Skilifte und Sesselbahnen ebenso zahlreich sind wie etwa am Gamserrugg und Käserrugg, konnte man sich ohne weiteres auf einer Sommerwanderung über die Sellamatt wähnen, und auch der stotzige Abstieg durch das Tobel des Riggisalpbaches wäre mit den Alpwegen um Starkenbach und Unterwasser zu vergleichen. Noch brannte eine heisse Augustsonne, als wir zur architektonisch interessanten, ganz modernen Kirche von Gypsera hinunterkamen, und auch den Spaziergang dem tatsächlich in jeder Hinsicht einen schwarzen Eindruck machenden Schwarzsee 588.216 E / 168.849 N entlang bis zum Hôtel des Bains konnten wir noch ohne Spritzer beenden, worauf dann wieder ein heftiges Gewitter losbrach, das uns allerdings, einmal unter Dach, nicht mehr weiter zu beeindrucken brauchte.