Technische Angaben
Datum
28. August 1981
Wetter
sehr schön, heiss
Karte
1:25’000 Blätter 1188 Eggiwil, 1187 Münsingen, 1207 Thun
Route
Süderen – Güetzischwändi –Schwarzenegg –
Kreuzweg – Fuchsegg – Rachholtern – Muri – Steffisburg – Aaresteg – Lerchenfeld – Thierachern – Wahlen – Subel – Kärselen –
Bodezinge – Tannenbüel – Blumenstein
Höhen ü.M.
Süderen 905 m, Schwarzenegg 920 m, Kreuzweg
826 m, Ufern Port 912 m, Zulgbrücke
Steffisburg 586 m, Aaresteg 553 m, Thierachern 568 m, Tannenbüel 708 m, Blumenstein 659 m
Zeiten
Oberei – Steffisburg 3 Std., Steffisburg – Zollhaus 1 Std., Zollhaus – Blumenstein 2 Std.
Unterkunft
Thun
Verpflegung
Mittagessen Rest. Zollhaus (Lerchenfeld)
Besonderes
Strecke durch Steffisburg und die Vororte von Thun eher langweilig
Etappenbericht Looser
17. Oktober 2022
Etappe 13
Von Süderen/Oberei nach Blumenstein
Fallobst im Blumenparadies
Die nun folgende Etappe von Süderen nach Blumenstein wäre beinahe als Flachlandwanderung zu qualifizieren. Ausserdem aber müssten wir sie als Spaziergang für Blumenfreunde bezeichnen. Denn hier im sanfteren Teil des Emmentals und unten in der Aareebene konnten wir uns nun wirklich fast nicht sattsehen an der Blumenpracht, die die überaus stattlichen Bauernhäuser vom richtigen Emmentalertyp auszeichnet. Es scheint, liebe Verena, dass die Bauern in der Umgebung Deines Heimatortes Otterbach /Linden ihren Frauen grosse Freiheit für die Verschönerung der Umwelt einräumen und dass die Bäuerinnen darin wetteifern, dem Anspruch des Schönen in der Arbeitswelt fast im Übermass gerecht zu werden. Noch bevor man sich anschickt, vor dem überwältigenden Blumenschmuck an den Fenstern, auf den breiten Lauben und vor den meist einladend offen stehenden Türen staunend stehen zu bleiben, vermittelt schon die Lage der grossen Gehöfte in einer schützenden Mulde oder am sonnigen Hang eines sanften Hügels – Hubel heissen diese bescheidenen Bodenerhebungen in der Sprache Jeremias Gotthelfs – den sicheren Eindruck der bodenständig bäuerlichen Heimat.
So war denn, nachdem uns das Postauto wieder bei schönstem Wetter von Thun nach Süderen gebracht hatte, die leichte Wanderung durch die prächtig stehenden oder bereits abgeernteten Kornfelder über die leicht fallende Terrasse von Ober- und Unterlangenegg bis hinunter an die Zulgbrücke in Steffisburg ein reiner morgendlicher Genuss. Interessant war übrigens noch die Feststellung, dass die Emmentaler wohl grosse Sorgfalt auf die Bestellung der Felder legen, dem Blumenschmuck der Häuser viel Liebe angedeihen lassen, dafür aber die Pflege der Obstbäume sträflich vernachlässigen.
Etwas mühsamer, vor allem ziemlich heiss, war dann der lange Marsch quer durch die Aareebene westlich von Thun ausgerechnet über die Mittagszeit. Noch erträglich fanden wir den Spaziergang vom Dorfzentrum Steffisburg 614.947 E / 180.827 N der munter plätschernden Zulg entlang hinunter bis zur Aare, die wir auf dem Fussgängersteg oberhalb der Zulgmündung überquerten und damit so mehr oder weniger den Schritt in die Westschweiz vollzogen. Kaum ansprechend schien uns dann das Thuner Aussenquartier Lerchenfeld, an dessen Ende wir uns mit einigen Erleichterungsseufzern zum typischen Arbeiterquartiermittagessen im Res- taurant Zollhaus niederliessen. Früher stand dieses Zollhaus wohl am Übergang über den alten Kanderlauf, dessen Graben in sehr interessanter Weise heute von der hier tiefliegenden Autobahn N 6 benützt wird, wobei der Strassenbau gleichzeitig vom reichlich vorhandenen Kies profitieren konnte. Ob Flussübergang oder Autobahnbrücke, für uns war das frühere Zollhaus willkommen, um in der heissen Mittagsstunde am Schatten zu sitzen und den Hunger und vor allem den Durst zu stillen.
So ausgeruht und erfrischt nahmen wir den Weitermarsch in Angriff, zuerst durch den wohltuend schattigen Auenwald des Chandergriens am Rand der Thuner Allmend, auf der einige manövrierende Panzerzüge schon wieder militärische Erinnerungen weckten. Reizvoller, und ich möchte sagen fröhlicher, wurde die Wanderung dann wieder von Thierachern an, wo wir den Westrand der Aareebene erreichten. Jetzt konnten wir wieder natürliche Feldwege benützen, die durch reiche Äcker und kleine Waldparzellen führten und im langsam ansteigenden Gelände immer neue Ausblicke auf das Aaretal, die Amsoldinger Seenlandschaft, den Thunersee und die Berner Alpen freigaben. Wieder freuten wir uns am reichen Blumenschmuck der stattlichen Gehöfte, plauderten da und dort mit Bauern, denen ein Gespräch zur Unterbrechung der Feldarbeit am heissen Nachmittag nicht ungelegen kam, und gelangten so fast unbemerkt ins weit verstreute Dorf Blumenstein, wo wir uns wiederum zu einer Flasche des immer mehr geschätzten Mosts (fabelhaft ist Apfelsaft !) niedersetzten, bevor wir mit dem gelben PTT-Wagen über den Längenbühl und die Allmend nach Thun zurückrollten.