(Walchwil) via Immensee-Luzern

Technische Angaben

Datum
30. Juli 1981

Wetter
sehr schön und sehr warm

Karte
1:50’000 Blatt 235 Rotkreuz, 1:25’000 Blatt 2510 Luzern und Umgebung (Marsch mit 1:50’000)

Route
Walchwil – Immensee mit Bahn und Schiff (Umweg über Zug) Immensee – St.Martin – Lochmüli – Haltikon – Burnig – Wagenmoos – Sagenhof – Adligenswil – Kurhaus Sonnmatt – Luzern Halde

Höhen ü.M.
Immensee 418 m, Haltikon 522 m, Wagenmoos 603 m, Adligenswil 534 m, Chlusen 580 m,Sonnmatt 562 m, Luzern 436 m

Zeiten
Immensee – Luzern 51⁄2 Std.

Unterkunft

Verpflegung
Morgenessen im Bhf.-Buffet Zug, kurze Mittagsverpflegung im ‹Rössli›, Adligenswil, Durststiller in ‹Säge›, Haltikon, Kunsthaus Luzern

Besonderes
genussreiche Schifffahrt auf Zugersee

Etappenbericht Looser
11. September 2021

Etappe 7

Von (Walchwil) via Immensee nach Luzern

Kirschtortenbeflügelt – Zugersee gleichwohl nicht überschritten

Nun war das Wetter so schön, dass wir beschlossen, gleich noch ein Stück weiterzumachen und vorläufig einmal in Walchwil Quartier zu beziehen. Seit die Autobahn am andern Seeufer in Betrieb ist, leidet Walchwil eher unter Gästemangel. Wir fanden deshalb rasch ein zwar rustikales, aber bequemes Zimmer im Gasthaus ‹Sternen›, direkt am See. Von besonderem Reiz war aber das ganz ausgezeichnete Fischmahl,gefolgt von Zuger Kirschtorte (kirschtriefend), ganz für uns allein auf einem Holzbalkon gegen den See, bei zauberhafter Abendbeleuchtung.So romantisch waren wir schon lange nicht mehr beisammengesessen.

Jetzt kommt ein Geständnis, das dann auch für den Genfersee gilt. Wenn wir auch Wert darauf legten, wirklich jeden Meter von Rorschach bis Genf zu Fuss zurückzulegen (einzig von Luzern nach Kriens benutzten wir den Trolleybus der Verkehrsbetriebe), so haben wir doch die beiden Seen, die sich auf der geraden Linie unserm Weiterkommen entgegenstellten, nicht durchschwommen. Beim Zugersee wäre das zwar von unserm schwimmerischen Können und der Wassertemperatur her gesehen noch möglich gewesen. Was aber mit dem Rucksack und den Kleidern? So wählten wir den Schiffstransport nach Immensee hinüber, der sich zwar als fahrplanmässig kompliziert, aber umso genussreicher und erholsamer erwies.

Zunächst fuhren wir am andern Morgen ohne Frühstück im Magen – der heutige Hotelkomfort ist zeitlich sehr limitiert – mit der Bahn nach Zug, wo wir im Bahnhofbuffet zum verdienten Morgenessen kamen. Dann bummelten wir zur Schiffsstation und konnten uns auf einem gemütlichen, kleinen Motorboot (Werktagsfrequenzen) breitmachen, das uns in einer Stunde dem villenbesetzten Westufer des Sees entlang und um die bewaldete Halbinsel Chiemen herum nach Immensee brachte.

Die nun folgende Marschetappe ist nach der vorangegangenen Grossleistung eher als Spaziergang zu werten. Das erste Stück ausserhalb Immensees weist allerdings noch keine besonderen Reize auf. Es ist die Senke von Fänn zu durchqueren, die nun wirklich etwas viel Verkehrsbauten aufweist (doppelspurige Eisenbahn, Autobahn, Landstrasse). Erst beim Weiler St.Martin kommt man recht in Spazierlaune. Der Landschaftscharakter ist sehr ähnlich der engeren Umgebung von St.Gallen, etwa am Tannenberg Richtung Thurgau. Dafür spricht auch der Flurname Lochmüli. Bei Haltikon ist eine grosse Sägerei im Betrieb, die leider viel Lastwagenverkehr anzieht. Andrerseits gibt dieser Verkehr auch die Existenzgrundlage für ein gemütliches Landbeizlein, wo wir ein erstes Mal den Durst stillen. Dann kann man dem Verkehr wieder ausweichen, indem man die Höhe von Wagenmoos gewinnt und dem waldigen Hügelzug oberhalb von Meggen folgt, der übrigens genau die allgemeine Richtung NO–SW einhält. Vom Sagenhof (hat nichts mit Sage zu tun, aber mit sägen) an muss man allerdings wieder auf die andere Talseite wechseln, um das Dorf Adligenswil zu erreichen. Dort ist man schon ganz im Einflussbereich der Stadt Luzern. Als ich 1935 in Luzern die Rekrutenschule absolvierte und wir das Marschtraining in die Umgebung aufnahmen, war Adligenswil noch ein reines Bauerndorf, heute ein städtischer Vorort mit typischem Schlafsiedlungscharakter. Der Vorortscharakter zeigt sich auch im Gasthaus, das zwar noch den bäuerlichen Namen ‹Rössli› trägt, aber auf eine Kundschaft zugeschnitten ist, die weitab von der Landwirtschaft lebt und denkt. Von Adligenswil aus führt dann ein Höhenweg mit grossartiger Aussicht auf Vierwaldstättersee und Berge durch Wiesen und kleine Waldpartien zum Kurhaus Sonnmatt, wo die Marken der parkierten Autos direkt auf die Pensionspreise schliessen lassen. Dann geht die nun vorstadtmässige Strasse unter dem Kloster Gerlisberg durch bis hinab zur ehemaligen Talstation der stillgelegten Dietschibergbahn und damit hinunter an den berühmten Alpenquai von Luzern 666.636 E / 211.406 N. Auf der Seebrücke überqueren wir die Reuss, den achten grösseren Fluss auf unserer Wanderung. Auf der von viel Volk, aber nur sehr teilweise von elegantem Publikum bevölkerten Terrasse des Luzerner Kunsthauses erfreuen wir uns am grosszügigen Wasserspiel des Quaibrunnens und löschen ein letztes Mal den Durst, bevor wir uns in die Wagen der SOB/BT niederlassen, mit denen wir in abwechslungsreicher und angenehmer Fahrt ohne Umsteigen (dank Bahndirektor Kesselring) bis nach St.Gallen zurückreisen.