Technische Angaben
Datum
26. August 1981
Wetter
sehr schön, angenehme Wandertemperatur
Karte
1:25’000 Blatt 1188 Eggiwil
Route
Wiggen – Binzberg – Schärlig/Grosshus – Balmegg – Pfyffer – Hürlisegg – Läber – Sorbach – Chnubel – Breitmoos – Naters – Boden – Oberei
Höhen ü.M.
Wiggen 788 m, Binzberg 981 m, Schärlig
850 m, Pfyffer 1315 m, Emme 768 m, Naters 1192 m, Süderen 905 m
Zeiten
Wiggen – Schärlig 1 ¼ Std., Schärlig – Pfyffer 2 ½ Std., Pfyffer – Emme 1 Std., Emme – Naters 2 Std., Naters – Oberei 1 Std.
Unterkunft
Thun, Hotel Beau Rivage
Verpflegung
Rucksack
Besonderes
Thun – Wiggen mit Bahn, Oberei – Thun Postauto
Etappenbericht Looser, Teil 1
28. Mai 2023
Etappenbericht Looser, Teil 2
15. Oktober 2022
Etappe 11
Von Wiggen nach Süderen/Oberei
Wo Thunerinnen das Land mit Feingebäck versorgen
Nächstes Standquartier war jetzt unsere ‹Heimatstadt› Thun, wo es sogar Ende August noch nicht ganz einfach war, eine komfortable und gleichzeitig praktische Unterkunft (Nähe Bahnhof) zu finden. Wiederum genossen wir drei Wandertage bei schönstem Wetter und klarer Sicht, wie sie fast nur im Spätsommer vorkommen kann. Um an den Anschlusspunkt in Wiggen zu gelangen, hatten wir von Thun aus am frühen Morgen eine ziemlich lange Bahnfahrt zu unternehmen (Thun –Konolfingen mit der Burgdorf–Thun-Bahn, Konolfingen –Wiggen mit der SBB-Linie Bern –Luzern). Dabei überraschte uns die Feststellung, dass zahlreiche junge Frauen jeden Tag von Thun bis Emmenmatt fahren, das sind gut . Stunden Bahnfahrt, um dort in der Biscuitfabrik (Kambly) zu arbeiten. Ich vermute, dass ihre Ehemänner oder Freunde in den Bundesbetrieben in Thun angestellt sind. Vom Bahnhof Wiggen führt der gut markierte Wanderweg ein kurzes Stück auf der gleichen Strecke zurück, wo wir drei Wochen vorher vom Hilferenpass hergewandert waren. Dann überquert er über Binzberg einen ersten Hügelzug, über den wir in das Seitental von Schärlig gelangen. In dieser Gegend machen die Bauernhäuser noch einmal einen eher ärmlichen Eindruck, der durch die scheue, misstrauische Art der Bewohner noch verstärkt wird. Aus dem Raum Schärlig/Grosshus begann dann der kräftige Aufstieg zum Gipfel des Pfyffer 631.949 E / 191.171 N, einem unerhörten Aussichtsberg an der Grenze Luzern/Bern. Von hier aus hatten wir zum ersten Mal im Süden den ganzen Kranz der Berner Alpen vor uns und wunderten uns einigermassen, wie Konrad an Ostern mit den Ski auf alle diese Gipfel gekommen war. Hier oben betraten wir das Emmental und damit Verenas ursprüngliche Heimat. Das wurde uns so recht bewusst, als uns beim ersten Alpstall mit dem schönen Namen Hürlisegg ein blonder, blauäugiger Bauer ganz klar nach dem Text des Emmentalerliedes mit freundlichstem Du begrüsste. Überraschend war für uns auch die Beobachtung, dass hier bis auf 1200 Meter hinauf noch Kartoffeln und Getreide gepflanzt werden, natürlich auch mit modernen motorisierten Geräten. Im übrigen ist die Landschaft am ehesten mit der Gegend Tösstal-mittleres Toggenburg-Appenzellerland zu vergleichen. Jedenfalls sind wir uns ja an die steilen, in das Nagelfluhgestein tief eingeschnittenen Tobel gewöhnt, die hier Graben oder Chrachen heissen. Vorerst ging es vom Pfyffer einmal stotzig hinunter zur Emme, vorbei an sehr wohlgepflegten Bergbauernhöfen, wo neben den immer vorhandenen Äckern jeweils auch ein Gemüsegarten und ein Blumenbeet Platz finden.
Die Emme, die der ganzen Region den Namen gibt, überschritten wir bei Sarbach, wonach wir dann etwas Mühe hatten, einen praktikablen Wiederaufstieg auf das Plateau von Chnubel zu finden, weil frühere Fusswege durch militärische Magazinanlagen mit entsprechenden Drahtverhauen unterbrochen sind. Nachher konnte die Wanderung aber auf ganz gemütlich ansteigenden Feld- und Waldwegen, zum Teil im jetzt sehr geschätzten Schatten, fortgesetzt werden, bis auf die Höhe von Naters, etwa 2 km nordwestlich der Schallenbergstrasse. Dieser herrliche Aussichtspunkt ist etwa vergleichbar mit dem Nollen oder dem Gäbris, aber immer etwas ins Grosszügigere übersetzt. Der Abstieg gegen Oberei/Süderen durch südwärts abfallende Wiesen und Kartoffeläcker bildete den angenehmen Abschluss der abwechslungsreichen Wanderung. Die Augustsonne hatte wieder für gehörigen Durst gesorgt, und der Proviant war auch ausgegangen, so dass ich mich sogar zu einer halben Portion Hobelkäse überreden liess. Für die Rückfahrt ins Standquartier Thun stand das Postauto zur Verfügung, immerhin der komplizierten Struktur des Emmentals entsprechend nur mit Umsteigen in Schwarzenegg. Bleibt noch die erfreuliche Feststellung, dass mein erster Bürgerort Thun auch mit sehr bemerkenswerten kulinarischen Genüssen zu ‹zivilen Preisen› aufzuwarten weiss.