Technische Angaben
Datum
29. Juli 1981
Wetter
schön und warm
Karte
1:50’000 Blatt 235 Rotkreuz, 1:25’000 Blätter 1132 Einsiedeln, 1131 Zug
Route
Wilen – Wollerau – Erlen – Nüfeld – Bergli – Halden – Hüttner Brugg – entlang der Sihl – Finsterseebrugg – Finstersee – Black – Schurtannen – Neuhof (Bloodhound) – Fürschwand – Hinterwiden – Wilerberg – Unterägeri – Farnsbüel – Banholz – Pfaffenboden – Balis – Chatzenberg – Obergaden – Walchwil
Höhen ü.M.
Eggli 511m, Erlen 600m, Hüttner Brugg 695 m, Finsterseebrugg 648 m, Finstersee 774 m, Schurtannen 838 m, Neuhof 955 m, Unterägeri 729 m, Buechenchappeli (Zugerberg) 1022 m, Walchwil 417 m
Zeiten
Wilen – Unterägeri 5 1⁄2 Std., Unterägeri – Zugerberg 2 1⁄2 Std., Zugerberg – Walchwil 1 1⁄2 Std.
Unterkunft
Gasthaus ‹Sternen›, Walchwil
Verpflegung
Rucksack, kurze Mittagsverpflegung im ‹Kreuz›, Unterägeri, Nachtessen im ‹Sternen›, Walchwil
Besonderes
sehr schöne Hochplateaux im Kanton Zug, ausgezeichnetes Fischmahl bei zauberhafter Abendstimmung am Zugersee
Etappenbericht Looser, Teil 1
14. Mai 2021
Etappenbericht Looser, Teil 2
23. Mai 2021
Etappe 6
Von Wollerau nach Walchwil
Am andern Morgen, wir genossen wiederum schönstes Sommerwetter, begleitete uns Bethli Bösch (mit Hund, wie das in solchen Gesellschaftskreisen üblich ist) zunächst ein Stück weit den Berg hinauf, durch das Dorf Wollerau bis auf die Höhe von Erlen, ein Wegstück mit immer prächtiger Aussicht auf den Zürichsee. Von Erlen an durchquerten wir ein sehr schönes Moorgebiet mit baumbestandenen Weihern und Bachläufen, dort, wo die Südostbahn den grossen Bogen von Wollerau über Samstagern macht, um die Höhe von Schindellegi 696.530 E / 225.637 N zu gewinnen. Aus der Mulde mit dem Hüttner Seeli stiegen wir hinauf zur Strasse Schindellegi–Hütten, wo wir noch einmal den Blick auf den Zürichsee und zurück bis zu den Toggenburger Hügeln genossen, von wo uns der Weg hergeführt hatte. Jetzt waren wir zum zweiten Mal für kurze Zeit im Kanton Zürich und freuten uns am gepflegten, schattigen Wanderweg der Sihl entlang von der Hüttner Brugg bis zur Finsterseebrugg. Natürlich kommt man dabei nicht darum herum zu spekulieren, wie viel schöner der Spaziergang wäre, wenn in der Sihl nicht bloss das behördlich festgesetzte Restwasser des Etzelwerks plätschern würde. Allerdings, wenn schon Goethe auf einer seiner Schweizerreisen (1797) festgestellt hatte, dass sich in der Gegend von Schindellegi die Errichtung einer Wasserkraftanlage empfehle, muss wohl angenommen werden, dass hier eine ökologische Kosten-Nutzen-Analyse ein besonders günstiges Resultat zugunsten der Wasserkraftausbeutung ergäbe.Bei Goethe heisst der Text: ‹Rechts des Fusssteiges (jetzt Strasse von Schindellegi nach Hütten) ist eine Art von natürlichem Wall, hinter dem die Sihl herfliesst. Dem ersten Anblicke nach sollte es an einigen Stellen nicht grosse Mühe und Kosten erfordern, den Hügel mit einem Stollen zu durchfahren und so viel Wasser, als man wollte, zu Wasserung und Werken in die unterhalb liegende Gegend zu leiten; ein Unternehmen, das freilich in einem demokratischen Kanton und bei der Komplikation der Grundstücke, die es betreffen würde, nicht denkbar ist.› (Rothenthurm ist bloss einige Kilometer weiter oben!)
Abenteuerlicher Schnittpunkt der Wanderrouten: Strafanstalt!
Über die Finsterseebrugg querten wir die Sihl und die Grenze zum Kanton Zug und stiegen dann auf einem landschaftlich lohnenden kurzen Umweg hinauf gegen Finstersee. An einem aussichtsreichen Wegbord etwas oberhalb der Strafanstalt Bostadel war es Zeit für ein erstes Picknick aus dem Rucksack. Dieses kurze Wegstück von der Sihl bis zum Weiler Finstersee wird bei der Beschreibung unserer zweiten Wanderung, von Nord nach Süd, noch einmal auftauchen; denn einem makabren Zufall ist es zu verdanken, dass sich unsere Wanderrouten genau in der zugerisch-baslerischen Strafanstalt für Schwerverbrecher kreuzten! Ein Gütersträsschen führt von Finstersee über ein langgestrecktes fast topfebenes Wiesengelände geradewegs gegen Westen, die Kiesablagerung eines Gletschers der letzten Eiszeit. Nach Norden schweift der Blick über die Hügel von Menzingen und Neuheim weit hinaus ins Mittelland zwischen Albiskette und Reusstal. Am Wegrand waren die Bauern noch am Kirschenpflücken. Jetzt sind wir doch ins Gebiet der grösseren Bauerngehöfte hineingewandert, die einem das Gefühl einer stärkeren Bodenständigkeit und eines etwas ausgeprägteren Wohlstands vermitteln. Beim Weiler Schurtannen, gerade gegenüber Menzingen mit seinen klösterlichen Schul- und Spitalgebäuden (ich erinnerte mich dabei lebhaft an die intelligenten Schwestern Maria Lucas und Maria Pia, mit deren Hilfe es gelang, den Bau der Privatklinik Stephanshorn in St. Gallen auf einen realen Boden zu stellen), bog der Weg genau nach Süden ab, um über die Höhen von Neuhof und Fürschwand die westlichen Ausläufer des Gottschalkenbergs zu überwinden. Von da oben hatten wir zum ersten Mal den vollen Ausblick auf die Urner und Berner Alpen. Dass die Rundsicht von diesen Kuppen aus wirklich umfassend sein muss, kann man auch daran ermessen, dass sich hinter recht fremdartig wirkenden Stacheldrahtverhauen Rekruten mit Radargeräten und Lenkwaffen beschäftigten. Noch wenige 100 Meter weiter, und dann öffnet sich der Blick auf den in strahlender Sommersonne liegenden Ägerisee. Auf lohnenden Abkürzungen sind wir nach kurzer Zeit unten am Ausfluss des Sees im Dorf Unterägeri 686.705 E / 221.310 N angelangt, wo wir im Restaurant ‹Kreuz› eine späte Mittagsverpflegung mit viel Flüssigkeit einnehmen. Wesentlicher als die Verpflegung ist aber die Möglichkeit, über den Fernsehkasten am aktuellsten Tagesereignis, der Hochzeit von Prinz Charles mit Lady Diana, teilzunehmen.
So seelisch wie körperlich gestärkt, überqueren wir noch im Dorf mit der Lorze den siebten grösseren Fluss und wandern dann durch sanft ansteigendes Wiesengelände gegen den Wald am Ostabhang des Zugerbergs. Eine angenehme, vorläufig noch nicht asphaltierte Güterstrasse führt in gleichmässiger Steigung durch den Wald auf die Höhe von Buechenchappeli, wo wir wieder einen prächtigen Blick auf die Schneeberge im Süden und Südwesten geniessen und am Pilatus vorbeiführende Etappen unserer Wanderung Richtung Entlebuch und Emmental im Geist abstecken können. Dann schlängelt sich der Weg zunächst wieder fast horizontal über das aussichtsreiche Hochplateau des Zugerbergs, vorbei unter anderem an der Militärstrafkolonie, die über eine beneidenswerte Aussichtslage verfügt. Vom Westrand der Hochebene geht es dann aber sehr ruppig fast 600 m hinunter an den Zugersee bei Walchwil. Dabei benützen wir zuerst steile Waldwege, weiter unten dann eine eher mühsame Asphaltstrasse, die mitten in die Villenquartiere von Walchwil hinunterführt. (Die ganze Strecke von Unterägeri bis Walchwil bin ich nachher einmal im Auto gefahren und habe die Fussgängerbeurteilung betreffend Steilheit bestätigt gefunden.) Für die Mühsal des Abstiegs entschädigte immerhin der ständig schöne Tiefblick auf den Zugersee und hinüber zum Küssnachter Arm des Vierwaldstättersees.