Technische Angaben
Datum
6. August 1981
Wetter
sehr schön und heiss
Karte
1:25’000 Blätter 1169 Schüpfheim, 1189 Sörenberg
Route
Entlenmatt – Müllerenmoos – Tännli – Guntlisboden – Juchmoos – Angst – Änggenlauenen – Bargelen – Baumgarten – Salzbüel – Äschimoos – Flühli
Höhen ü.M.
Entlenmatt 1017m, Entlenschlucht 887m, Müllerenmoos 1067 m, Vorder Angst 1145 m, Bargelen 1400 m, Salzbüel 1202 m, Flühli 883 m
Zeiten
Entlenmatt – Müllerenmoos 11⁄4 Std., Müllerenmoos – Bargelen 3 Std., Bargelen – Flühli 11⁄4 Std.
Unterkunft
Entlebuch
Verpflegung
Rucksack
Besonderes
Zwischen Entlenmatt und Müllerenmoos sind Weg und Brücke zerstört. Durchschreiten des Baches möglich. Das Standquartier Entlebuch bewährte sich, weil Bahn- und Postautoverbindungen gut sind. Nach Rückkehr von Flühli noch Bad im Lido Luzern.
Etappenbericht Looser
27. Mai 2022
Etappe 9
Von Finsterwald nach Flühli
Wetterleuchten mit sowjetischen Hagelraketen
Am andern Tag gab es also zuerst ein Gipfelifrühstück in der benachbarten Bäckerei, und dann brachte uns das Postauto wieder nach Finsterwald bzw. einige 100 Meter weiter taleinwärts nach Entlenmatt. Im Pfarrgarten von Finsterwald las der Pfarrer sein Brevier an der Morgensonne. Hoffen wir, dass er auch ohne seine Köchin gut geschlafen hat. Auf der Karte 1:25’000 ist von Entlenmatt ein Fussweg eingetragen, der zur Grossen Entlen hinuntersteigt, den Bach auf einem Steg überquert und am andern Talhang wieder bis zur ersten Terrasse hinaufführt. In Wirklichkeit gibt es jetzt weder Weg noch Steg. Im Abstieg findet man zwar anfänglich noch die Wegspuren, die aber bald im Gebüsch verschwinden; auch vom Steg sind noch Teile der Fundamente sichtbar; aber im Aufstieg zum Müllerenmoos, immerhin 180 Meter Höhendifferenz, ist keine Rede mehr von einem Fusspfad. Als nun schon sehr geländegängige Wanderer ziehen wir am Bach unten eben die Schuhe aus, und angesichts des warmen Augustwetters macht es auch der getreulich folgenden, lieben Gattin nichts aus, den klaren Bergbach barfuss zu durchwaten. Den steilen Aufstieg auf der Westseite des Tales bewältigen wir dann so Tritt um Tritt und von Baum zu Baum. Auf dem gebuckelten Plateau von Müllerenmoos staunt der behäbige Bauer nicht schlecht, wie da zwei unbekannte Wanderer vom Wald heraufkommen, wo wohl niemand mehr durchgegangen ist, seit ein Fahrsträsschen von Schüpfheim her diese abgelegene Gegend erschliesst.Und wir staunen ebenso darüber, welch stattliche Bauernhäuser wir in dem verlorenen Seitental der Kleinen Entlen antreffen. Sie werden uns mit ihren weit ausladenden Dächern nun bis weit über das Emmental hinaus begleiten und von der relativen Wohlhabenheit der hier ansässigen Bauern zeugen.Im Entlebuch flattert bei fast jedem Hof eine Schweizerfahne. Dagegen sind Blumen noch eher spärlich. Wenn solche gepflanzt werden, tragen die Frauen sie offenbar in die Kirche, um den Altar zu schmücken, oder zum nächsten Bildstöcklein oder zur nächsten Kapelle. Sicher ist dagegen, dass auch in dieser Berglandwirtschaft die Motorisierung mit Macht Einzug gehalten hat. Gute Fahrstrassen führen bis weit hinauf zu entlegenen Gehöften. Immerhin brauchen wir nur kurze Wegstücke auf asphaltierten Güterstrassen zu marschieren, was wir nach der Überraschung an der Entlen als nicht einmal so unangenehm empfinden. Das Tal der Kleinen Entlen zieht fast genau in unserer allgemeinen Marschrichtung nach Westsüdwest.Der Wanderweg führt auf der Südseite des Baches durch meist sumpfige Waldwiesen und über aussichtsreiche Alpweiden bis auf eine Höhe von etwa 1400 Metern zur Wasserscheide und zum nächsten Quertal der Waldemme, in welchem unser heutiges Marschziel Flühli liegt. Vom kleinen Passübergang bei Bargelen aus können wir wieder einmal weite Strecken des schon zurückgelegten Weges überblicken und den morgigen Aufstieg von Flühli zum Hilferenpass rekognoszierend ins Auge fassen. Der Abstieg zum stattlichen Dorf Flühli war zwar kurz, aber heiss, der Durst entsprechend. Die einschläfernde Wirkung der verschiedenen Mostsorten war leider so nachhaltig, dass Du, Verena, von der an sich genussreichen Postautofahrt nach Schüpfheim nicht sehr viel spürtest.So richtig erwacht sind wir eigentlich erst nach dem erfrischenden Bad im Lido von Luzern (auch die Oben-ohne-Mädchen waren erfrischend). Obwohl wir geplant hatten, irgendwo in einem Aussichtsrestaurant am See zu dinieren, zogen wir es vor, zu den kulinarischen Spezialitäten unseres Standquartiers zurückzukehren. Dort erlebten wir dann noch ein heftiges Gewitter mit dem spektakulären Abschuss sowjetischer Hagelraketen. Inzwischen hat man herausgefunden, dass sie kaum etwas nützen.